Diskussion um den Kindergarten

Bei den Vertragsverhandlungen über die Trägerschaft der evangelischen Kindergärten in Stein und Königsbach mit der Kommune hat sich seit einiger Zeit nichts mehr bewegt. Die Ursache liegt in unterschiedlichen tarifrechtlichen Bestimmungen, aber auch in unterschiedlichen Konzepten der kirchlichen Träger. Während die Kommune die Diskussion im Moment sehr einseitig auf die Einsparungsmöglichkeiten im Personalbereich zugespitzt hat, wünschen sich die Kirchengemeinden eine offenere Diskussion, die auch die Chance einer Angebotsvielfalt stärker berücksichtigt. Insbesondere stehen wir als Kirchengemeinden für ein Konzept, das sich um eine möglichst optimale, individuelle und dem Alter des Kindes entsprechende Förderung bemüht. Dies hat seinen Preis, für den die Kirche aber auch ihrerseits Steuermittel einsetzt. Lesen Sie hier die Presseerklärung der beiden Evangelischen Pfarrer von Stein und Königsbach im Wortlaut und verfolgen Sie den Lauf der Diskussion in der Presse.

Königsbach und Stein zur Kontroverse um die Kindergartengebühren

In der Ausgabe vom 22. Juli wurde in dieser Zeitung über die Erhöhung der Kindergartenbeiträge in Königsbach-Stein berichtet. Mit einigem Erstaunen haben wir als Träger der kirchlichen Kindergärten gelesen, wie die Kommune mit ungenauen Informationen in der Öffentlichkeit Stimmung macht, obwohl ihr durch eigene Berechnungen und auch durch mehrfache schriftliche und mündliche Angaben unsererseits die Fakten bekannt sein müssten. Es entsteht so der falsche Eindruck, als ob die kirchlichen Einrichtungen grundsätzlich teurer für die Kommune seien als die kommunalen. Dem wollen wir widersprechen. 

Immer wieder ist in den Verlautbarungen der Gemeinde die Rede von einem Deckungsgrad durch Elternbeiträge von 12% (Stein) bzw. 13% (Königsbach) der kirchlichen Kindergärten gegenüber 18 % der kommunalen. 

Immer wieder wird dabei unterschlagen, dass die Landeskirche eigens den kirchlichen Trägern Zuschüsse aus kirchlichen Steuermitteln zahlt. Diese Zuschüsse in Höhe von etwa 10% der gesamten Betriebskosten fließen in Königsbach-Stein in voller Höhe der Kommune zu. Im Ganzen bezahlte die Kommune für 2010 etwa 70 % (Stein) bzw. etwa 75% (Königsbach) der Betriebskosten. Wenn kein freier Träger da wäre, läge die Pflicht zu 100% bei der Kommune.

 , der sich mit Logik auskennt, dürfte bei diesen Zahlen einleuchten, dass die kirchlichen Kindergärten also wohl kaum teurer sein können als die kommunalen.

Auch die Idee von Bürgermeister Kielburger, dass die Eltern, die kommunale Kindergärten nutzen, die kirchlichen Kindergärten mitfinanzierten, ist deshalb im Übrigen jenseits von Logik und Fakten anzusiedeln. 

Vordergründig richtig ist es, dass die Personalausgaben in kirchlichen Kindergarten höher sind. Aber das ist zum Wohl unserer Kinder so gewollt, damit die Kinder nicht nur „ruhig und sauber“ werden, sondern zugleich auch noch die bestmögliche pädagogische Betreuung und Förderung erfahren. Das war und ist das erklärte Ziel aller bisherigen Landesregierungen; 

das entspricht auch dem für unsere Demokratie grundlegenden Subsidiaritätsprinzip, nach dem der Staat sich aus basis- und bürgernahen Einheiten von unten nach oben aufbaut und nach dem nicht von oben durchregiert wird. Basisnahe Institutionen wie z.B. Kirchengemeinden als freie Träger haben danach – so will es der Gesetzgeber – das Recht, den Kindergarten in der Weise zu führen, wie das ihren Grundsätzen entspricht.

Wenn wir nun schon Kinder in oft sehr frühem Alter im Kindergarten haben, dann dürfen wir nicht gedankenlos an ihnen sparen, sondern müssen ihnen optimale Begleitung und Betreuung ermöglichen. Folgeschäden später zu beheben kostet unsere Gesellschaft wesentlich mehr als im Vorfeld. Qualität zahlt sich aus. Langfristig ist deshalb die Investition in gut ausgebildetes Personal die lohnendste Vorgehensweise. Gute Ausbildung hat nun mal ebenso ihren Preis wie gute frühkindliche Bildung.

Bloßes Knausern bringt hier nur schlechtere Betreuung mit gravierenden Spätfolgen mit sich, deshalb:  unsere Kinder müssen es uns wert sein, Prioritäten zu setzen für nachhaltiges, intelligentes und vorausschauendes Sparen.

Das wird sich später für die ganze Gesellschaft vielfach auszahlen. Wir gehen davon aus, dass eine Kommune wie Königsbach-Stein, die sich ausdrücklich und plakativ zur kinderfreundlichen Gemeinde erklärt hat, das genauso sieht wie wir und ihren Worten Taten folgen lässt.

Im Namen der beiden Kirchengemeinden Königsbach und Stein 

Pfarrer Oliver Elsässer und Pfarrerin Gertrud Diekmeyer

Voraus ging dieser Artikel in der Pforzheimer Zeitung und im Pforzheimer Kurier:
 

22.7.11 Gemeinderatsbericht - PZ

Kindergartenbesuch wird teurer

  • in Königsbach-Stein werden die Beiträge zum 1. September angehoben.
  • Gemeinderat stimmt einhellig für Empfehlung der Verwaltung.

Die Elternbeiträge im Hort, den Kindergärten und Kindertagesstätten in der Gemeinde Königsbach-Stein werden zum 1. September teurer. Der Gemeinderat folgte damit den Vorstellungen des Kindergartenkuratoriums, nachdem Hauptamtsleiter Helmut Rexroth die Betriebskostenabrechnung für 2010 vorgestellt hatte.

"In den Kitas wird sehr gute Arbeit geleistet", sagte Rexroth zu Beginn seiner Ausführungen. Königsbach-Stein habe attraktive Angebote, etliche Anfragen von außerhalb und schon jetzt würden die gesetzlichen Anforderungen für 2013 erfüllt. Alle Einrichtungen seien praktisch ausgebucht. Alles in allem hat die Gemeinde 2010 abzüglich aller Zuweisungen noch nahezu eine Million Euro. für ihren Nachwuchs ausgeben. 

Bei einer durchschnittlichen Kostendeckung von 15 Prozent durch Elternbeiträge liege man allerdings deutlich unter den 20 Prozent, die von den kommunalen Spitzenverbänden und Kirchen empfohlen werden, sagte Rexroth. Das Ziel sei, einen Deckungsgrad von 17 Prozent zu erreichen. Dies sei in den Gemeindeeinrichtungen mit 18 Prozent bereits erfüllt. Im Evangelischen Kindergarten in Stein seien es indessen nur 12 Prozent, im evangelischen Kindergarten in Königsbach 13 Prozent. Obwohl es kein Ganztags- und kein  Hortangebot in diesen Einrichtungen gebe, seien die Personalausgaben dort relativ hoch. Den Ansatz. zur Erhöhung der Kostendeckung müsse man daher bei den Personalkosten suchen.

Bürgermeister Bemd Kielburger sagte. "wir wollen dieses Brett weiter bohren. Was aus meiner Sicht nicht sein kann, ist, dass die Eltern, die die Gemeindekindergärten nutzen, die anderen teilweise mit finanzieren. Hansjoerg Howe (SPD) stimmte .Kielburger zu und Wilhelm Bräuer · (FWV) meinte, "es sollte sich nicht so weiter entwickeln, dass es in einer Gemeinde unterschiedliche Deckungsgrade gibt."

Die Beiträge im Detail 

Die monatlichen Kindergartenbeiträge ändern sich zum 1. September wie folgt: 

Bei 30 Stunden pro Woche (Drei- bis Sechsjährige) erhöht sich der Beitrag für das erste Kind einer Familie von 68 auf 75 Euro, für das. zweite Kind von 41 auf 45 Euro. Das dritte Kind bleibt beitragsfrei. Für Kinder unter drei Jahren wird in allen Betreuungsformen ein Aufschlag von 30 Prozent erhoben (bisher 25 Prozent), für Ein- bis Zweijährige in der Krippe 40  Prozent (bisher 35 Prozent). Bei 32,5 Wochenstunden in der Regelgruppe werden 87 Euro (bisher 79) fällig, fürs zweite sind 52 Euro (bisher 47). In der Ganztagsbetreuung in altersgemischten Gruppen beträgt der neue Beitrag für ein Kind 149 Euro (bisher 135 Euro) und für das zweite betreute Kind einer Familie 85 Euro (bisher 77). Die Hortbetreuung für sechs- bis zehnjährige Schulkinder kostet bei 46 Stunden pro Woche für das erste Kind 140 Euro (bisher 128) und für das zweite 84 Euro (bisher 73). Der Nachmittagshort ab 12 Uhr mit 21 Stunden pro Woche schlägt mit 70 Euro (bisher 64) fürs erste Kind zu Buche und mit 42 Euro für das zweite Kind: Die zusätzlichen Kosten für das Mittagessen in Hort und Ganztagsgruppen belaufen sich auf drei Euro pro Essen.

ULRIKE FAULHABER KÖNIGSBACH-STEIN

Folgende Leserbriefe fanden sich an den folgenden Tagen in der Zeitung:

23.7.11 Leserbrief  - Gemmel-Krauß  - Pforzheimer Kurier

Aussage ist peinlich und falsch

Zum Artikel "Kindergartengebühren steigen ab 1. September“  im Pforzheimer Kurier vom 22. Juli.

Als langjährige Erzieherin und Leiterin einer Kindertagesstätte möchte ich die attraktiven Angebote der Kindertagesstätten in Königsbach-Stein nicht nur an den Personalkosten bemessen. Die Höhe der Personalkosten hängt von verschiedenen Faktoren ab, zum Beispiel von der Ausbildung der beschäftigten Fachkräfte oder von deren Eingruppierung. Qualität und Konzeption einer Kindertagesstätte dürfen nicht nur nach betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten beurteilt werden. Diese Sichtweise führt nicht selten zu Betriebsstörungen, wie häufige Fluktuation der Fachkräfte und schlechtere Rahmenbedingungen bei der Umsetzung des "Orientierungsplans für Bildung und Erziehung für die baden-württembergischen Kindergärten"

Qualität in Kindertagesstätten ist immer auch eng mit Beziehungsqualität und motivierten und engagierten Fachkräften verknüpft. Eine junge Erzieherin, die nach vierjähriger Ausbildung  1450 Euro netto im Monat verdient, muss auf die ihr zustehende Eingruppierung bestehen. Auch dann, wenn sie einen Arbeitgeber hat, der so genannte Zweitkräfte eine Gehaltsstufe schlechter bezahlt. Im Zeitalter des Fachkräftemangels entscheiden sich immer mehr Träger, nicht in erster Linie auf die Personalkosten, sondern auch auf die Qualität ihrer Institutionen 

für frühkindliche Bildung zu achten. Sie haben diese als unverzichtbaren Standortfaktor für ihre Gemeinde erkannt.

Den Leserinnen und Lesern zu suggerieren, dass die Eltern der kommunalen Einrichtungen das Personal der kirchlichen Kitas mit finanzieren ist peinlich und falsch.

Ich empfehle allen Erzieherinnen, sich ihren Arbeitsplatz und ihren Arbeitgeber auch nach berufspolitischen Gesichtspunkten auszuwählen. Zahlreiche Städte suchen händeringend Erzieherinnen und locken mit Bonuszahlungen. Dafür haben wir uns seit Jahrzehnten eingesetzt und gekämpft.

Sabine Gemmel-Krauß 
Bergstraße 15 
Königsbach-Stein

 

Leserbrief zu Artikel "Kindergartenbesuch wird teurer", PZ 22.07.2012:

In dem o.g.  Artikel wird erklärt, dass die Personalkosten in den evangelischen Kindergärten unangemessen hoch seien und dies zu Lasten der Beitrag zahlenden Eltern ginge, deren Kinder öffentliche Kindergärten mit vorteilhafterem Deckungsgrad besuchen. Diese Darstellung ist unnötig reißerisch und zudem sehr oberflächlich. Auch mein zweites Kind wird nächste Woche seine Kindergartenzeit im evangelischen Kindergarten Arche Noah, Königsbach, mit einem zeremoniellen „Rausschmiss“ beenden. Für meine Kinder und auch für uns als Eltern geht damit eine wunderschöne, ereignisreiche und sorgenfreie Zeit zu Ende. Nicht das Gelände oder die Ausstattung des Kindergartens, die gegenüber dem modernen Gegenstück der Gemeinde nicht ganz mithalten kann, sondern das überdurchschnittliche Engagement, die Herzlichkeit und Ideenvielfalt der Erzieherinnen sowie der Leiterin  gaben hier den Ausschlag. Die Kinder wurden nicht nur „beschäftigt und beaufsichtigt“ sondern gefördert, positiv geprägt und motiviert, durch vielfältige Anregungen, Aktionen, Ausflüge und Geborgenheit. Es sind unsere Kinder, „das Beste was wir haben“; wir geben Sie aus der Hand und erwarten Bestes in der Betreuung. Die Erzieherinnen der Arche Noah erfüllen diese hohen Anforderungen ganz und gar- und das bekommt man nicht zum „kleinen Preis“ sondern durch Einsatz qualifizierten Personals und leistungsgerechter Bezahlung. Die Forderung einer Reduzierung der Personalkosten ist ein „Schlag ins Gesicht“ für die Erzieherinnen, die auf hohem pädagogischem Niveau und mit leidenschaftlicher Motivation für unsere Kinder sorgen. Ohnehin wird meines Erachtens die Leistung der gut ausgebildeten und engagierten Erzieherinnen nicht angemessen vergütet. Eine weitere Herabsetzung würde sich nachteilig auswirken, zu Lasten unserer Kinder und damit auch der gesamten Gesellschaft.

Anke Boese,
24.07.2011, Königsbach-Stein