Das letzte Jahr im Kindergarten

Gerade eben hat es begonnen - das Schuljahr - und wie jedes Jahr war dies für einige der Anlass besonders nervös zu sein und sich besonders zu freuen: für die Erstklässler, die mit Schultüte und neuem Ranzen dem Tag entgegen gefiebert haben, bis es endlich so weit ist und sie in die Schule kommen. Für diese Kinder hat es gerade geendet und für andere fängt es nun gerade an: das letzte Jahr im Kindergarten!

In diesem letzten Jahr steht noch mal einiges auf dem Programm: Theaterbesuch, Besuch im Naturkundemuseum oder der Kunsthalle, Besuch bei der Verkehrserziehung oder das „Heini-Training“ der Polizei. Die „Schulanfänger“ bekommen Besuch von der Kooperationslehrerin und besuchen mit uns die Schule - ihr neues zweites Zuhause ab dem Sommer.

Kindergarten Rausschmiss

Doch nicht nur die Außerhaustermine machen das letzte Jahr im Kindergarten zu etwas Besonderem. Endlich Schulanfänger sein geht auch einher mit neuen und schwierigeren Aufgaben und Pflichten in den eigenen Gruppen: man bekommt mehr Verantwortung übertragen, nicht nur im alltäglichen Gruppengeschehen, sondern auch bei Festen und Feierlichkeiten, bei denen man nun aktiv zum Gelingen beiträgt. Schließlich wollen die Kinder gewappnet sein für die Schule, wo Mut und Einsatz von jedem Einzelnen gefordert wird und man sich nicht mehr nur in der Masse verstecken kann.

Kurz vor den Sommerferien geht es dann los: die Eltern oder Paten kommen zum Schultütenbasteln in den Kindergarten, und die Kinder kurz darauf zum Übernachten - dem Höhepunkt des letzten Kindergartenjahres:
Nach gemeinsamem Abendessen folgt ein spannendes Programm mit Feuerwehr, Kino und Nachtwanderung, Geschichte und schließlich weit nach Mitternacht Schlafen gehen, gemeinsam mit den anderen Schulanfängern und den Erziehern, im Gruppenraum: da gehört schon Mut dazu! Nach der Übernachtung, die alle noch mal zusammenschweißt, naht dann langsam aber sicher doch der Abschied in Form des Schulanfängerabschiedsgottesdienstes und danach mit dem Rausschmiss aus dem Kindergarten.

„Raus geschmissen“ wird man tatsächlich! Eine große blaue Sportmatte liegt direkt vor der Türe - 1,2,3 und raus… Da kann es einem dann schon anders werden. Teil der Abschiedsfeier in der Gruppe ist das gemeinsame Essen und Lachen, und die Übergabe der Päckchen für die Schulanfänger, bestehend aus den gesammelten Kunstwerken der letzten Jahre, Fotos, und persönlichen Gegenständen.

Für manche ist das noch nicht das Ende! Die Kinder kommen bis zur Einschulung weiterhin in den Kindergarten. Aber spätestens am Freitag vor dem großen Ereignis heißt es dann wirklich Abschied nehmen. Das ist nicht nur für manche Kinder und Eltern schwer, sondern auch für mich als Erzieherin. Zwei Jahre ihres Lebens haben wir nicht nur die Kinder, sondern auch die Familien begleitet (manche auch beim zweiten, dritten oder vierten Kind) - haben mit gebangt und uns mit gefreut, haben unterrichtet über die neuen Schuhe, den Zahnarzttermin, die Urlaubspläne, die Abenteuer des Alltags. Wir haben mit den Kindern diskutiert, gestritten und zusammen gelacht, haben fünf Tage die Woche Teil gehabt am Leben des Kindes und der Familie, und die Beziehung ist mit der Zeit gewachsen. Nun gehen Eltern und Kind, und obwohl man sich als Erzieherin für das Kind freut, dass es nun den nächsten Schritt gehen kann und in die Schule kommt, bin ich doch immer auch etwas traurig, wie über einen Verlust. Ich bin noch mal dabei, erlebe ihn noch mit, den großen Tag und sehe „meine Schulanfänger“ aus der Ferne nervös da stehen mit ihrem großen Ranzen und weiß: sie werden das schon packen und bin stolz auf sie.

Am Montag darauf geht es wieder von vorne los - diesmal mit den neuen Schulanfängern- auch sie ganz stolz und aufgeregt- und wie die Eltern gespannt auf das, was alles kommt, in diesem letzten besonderen Jahr im Kindergarten.